Careleaverinnen
T«Schöne heile Welt»: Zwischen Utopie und Alltag – Careleaver*innen im System
Unsere Zeit in der ausserfamiliären Unterbringung war geprägt von Fürsorge, Sicherheit und Struktur – ein geschützter Raum, in dem wir nochmals Kind sein durften. Alltagspflichten wie Kochen, Einkaufen oder ärztliche Termine vereinbaren wurden für uns übernommen. Es gab schöne Wohnformen, liebevoll eingerichtete Zimmer, regelmässiges Taschengeld und immer eine Ansprechperson die da war. Fast wie eine kleine Utopie – begleitet in allen Lebensbereichen.
Doch mit dem Schritt ins Careleaving bricht dieses System abrupt weg. Plötzlich steht man allein da – ohne Anleitung, ohne Unterstützung. Und die Herausforderungen beginnen sofort: Sozialhilfe beantragen, Kinderrente einfordern, Prämienverbilligungsformular ausfüllen.
Ohne das nötige Wissen oder eine klare Begleitung ist es kaum möglich zu erkennen, welche Rechte und Ansprüche überhaupt bestehen. Der Weg in die Selbstständigkeit fühlt sich oft weniger wie ein Aufbruch – und mehr wie ein Stolpern ins Unbekannte an.
Im Workshop „Schöne heile Welt“ machen wir diese Gegensätze erlebbar. Wir benennen sowohl die Stärken als auch die blinden Flecken des stationären sozialpädagogischen Settings – und möchten gemeinsam mit Fachpersonen reflektieren, wie Übergänge aus der ausserfamiliären Unterbringung besser gestaltet und nachhaltige Unterstützungsformen geschaffen werden können.
Mona Ben Brahim, Careleaverin, Sozialarbeiterin BSc, Kindernotaufnahmegruppe Kinosch
Desiree Righetti, Careleaverin, Sozialarbeiterin BSc, Leitung Careleaver Netzwerk Region Bern

